Kommentare, Analysen und kurze Beschreibungen zu interessanten Wetterlagen oder Wetterphänomenen in der Schweiz

Mittwoch, 5. Mai 2010

Bise noire - die "schwarze" Bise

Normalerweise bedeutet Bise schönes Wetter, zumindest in den Bergen. Über dem Flachland und den Voralpen entlang hat's im Winter oft Hochnebel. Je stärker die Bise, umso höher ist die Obergrenze der Hochnebelsuppe. Im Sommer bringt die Bise auch dem Flachland Schönwetter, nicht umsonst lautet eine Bauernregel: "Ostwind bringt Heuwetter, Westwind bringt Krautwetter, Südwind bringt Hagelwetter und Nordwind bringt Hundewetter."

Soweit also der Normalfall, dieser ist in den zwei Wetterkarten auf der linken Seite dargestellt. Der klassische Fall also mit einem Hoch über England und der Bisenströmung über der Schweiz. Auch in der Höhe herrscht Hochdruckeinfluss (untere Karte), der Wind weht normalerweise aus dem Sektor Nordwest bis Nordost. Sowohl am Boden als auch in der Höhe weht der Wind wegen dem Hochdruckeinfluss im Uhrzeigersinn (brauner Pfeil).

Nun hatten wir gestern und heute auch eine Bisenströmung, vor allem gestern am Genfersee war sie mit Böenspitzen bis 85 km/h auch recht stark. Allerdings war es auch ausgesprochen trüb mit Nieselregen, dazwischen auch mal stärkerem Regen. Die Wolkenbasis ist zeitweise auf 600 Meter abgesunken (o.k., es war nicht überall ganztags trüb, dazu aber später). Gleichzeitig gab's auf der Alpensüdseite Starkniederschläge - also nichts mit dem oben beschriebenen Hochdruckeinfluss. Somit tritt dann und wann auch eine zweite Art von Bise auf - die sogenannte Bise noire oder eben die schwarze Bise. Auf der Wetterkarte ist sie im rechten Bild dargestellt.

Die Unterschiede sind auf den ersten Blick erkennbar: Markant ist vor allem das Tief über dem westlichen Mittelmeer. Auf der Bodendruckkarte (Bild oben) kommt die Strömung zwar immer noch aus Nordosten, über den Alpen weht sie aber gegen den Uhrzeigersinn (eine sogenannte tiefdruckbestimmte oder zyklonale Krümmung; blauer Pfeil). Auch in der Höhe ist das Tief sehr ausgeprägt (Bild unten rechts), der Wind über den Alpen weht jedoch aus Südost. Diese Südostströmung führt feuchte, instabil geschichtete und relativ warme Mittelmeerluft an den Alpensüdhang. Dort wird sie gestaut und angehoben - es bilden sich intensive Niederschläge. Diese greifen teilweise auch auf weiter nördlich gelegenen Regionen über (heute beispielsweise in Zermatt mit fast 60 mm in 24h, ein grösserer Teil davon als nasser Schnee...). Die südöstliche Höhenströmung hat allerdings auch für gewisse Föhneffekte gesorgt, sodass es nicht überall durchgehend trüb war. Gestern konnte sich beispielsweise der Südostföhn im Wallis bis ins Tal durchsetzen (Sion, Visp), die Temperaturen stiegen dabei in Sion auf 18.8°C. Heute hat der Südostwind oberhalb der "Bisenschicht" vor allem in den östlichen Alpen ein paar Löcher in die Wolkendecke gerissen. So gab es am Säntis immerhin 4.5h Sonne, auch im nördlichen Graubünden wurde der eine oder andere Sonnenstrahl gesichtet...
Quelle der Daten und Bilder: MeteoSchweiz

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