Der Wetterblog macht Sommerpause bis etwa am 25. August. Bis dahin geniesse ich den Blick in den Himmel ohne Internetanschluss...
Kommentare, Analysen und kurze Beschreibungen zu interessanten Wetterlagen oder Wetterphänomenen in der Schweiz
Samstag, 7. August 2010
Sommerpause...
Der Wetterblog macht Sommerpause bis etwa am 25. August. Bis dahin geniesse ich den Blick in den Himmel ohne Internetanschluss...
Freitag, 6. August 2010
Starkregen östliche Voralpen und Alpen - erneut extremer Niederschlag in Teilen Vorarlbergs
Bodendruckkarte mit Fronten, die klassische 5b-Zugbahn des Bodentiefsist schön erkennbar. Quelle: Deutscher Wetterdienst
24-stündige Niederschlagsumme abgeleitet aus RadardatenDaten: MeteoSchweiz, Grafik: GIN-Informationsplattform
Verlauf der Niederschlagsumme (violett), Stundensumme (blau)und Temperatur (orange) an der Wetterstation Bödele oberhalb
von Dornbirn. Quelle: Land Vorarlberg, Wasserwirtschaft
Dienstag, 27. Juli 2010
Land unter in Bregenz und Umgebung
Unglaublich wie es heute Nacht und am Morgen am östlichen Bodenseeufer geschüttet hat. In Bregenz waren es innerhalb von 12 Stunden etwa 130 mm, davon fielen etwa 70 mm in nur gerade 2 Stunden (s. zweitoberstes Bild)! Das extreme Niederschlagsereignis war zwar relativ kleinräumig, es hat aber grössere Schäden verursacht.
So wie es ausschaut sorgte wieder einmal der sogenannte „Lake effect“ zumindest für eine Verstärkung des Niederschlags, und dies schon zum zweiten Mal innert weniger Tage. Kurz erklärt funktioniert das folgendermassen: Eher kühle und instabil geschichtete Luft strömt über die relativ warme Seeoberfläche. Dabei „saugt“ sich die Luft mit Wasserdampf voll und über dem See bilden sich Schauer- und Gewitterzellen. Diese wurden am Pfänderhang angehoben, was zu einer zusätzlichen Verstärkung des Niederschlags geführt hat.
Windrichtung und -stärke in verschiedenen Höhenanhand des Windprofilers in Schaffhausen (Quelle: MeteoSchweiz)
Niederschlagsumme und -intensität der WetterstationBregenz-Altreuteweg. Quelle: Land Vorarlberg/Wasserwirtschaft
12-stündige Niederschlagssumme (27. Juli 2010; ca. 0h bis 12h)anhand der Radardaten. Aufgrund der grossen Entfernung zum
Radarstandort sind die Summen etwas zu tief (Quelle: MeteoSchweiz).
ca. 5h bis 11h vormittags. Die schwarzen Symbole
sind Blitzortungen (Quelle: MeteoSchweiz)
Hier noch ein paar Links mit Berichten, Schadensmeldungen, Fotos und Filmmaterial:
Vorarlberg online
ORF Landesstudio Vorarlberg
Samstag, 24. Juli 2010
Abendliche Konvektion über dem Zürichsee

An der Bildung dieser Wolkenwurst heute Abend kurz vor 20 Uhr waren vermutlich zwei Effekte beteiligt: Eine Windkonvergenz, sowie eine relativ instabile Schichtung der bodennahen Luft mit tiefer Lufttemperatur und gleichzeitig hoher Wassertemperatur. Am rechten Bildrand wird die Wolke vom überregionalen SW-Wind zusätzlich "angeschliffen".
Bei einer Wassertemperatur von 23°C, einer Lufttemperatur von etwa 15°C sowie einer vertikalen Temperaturgradienten von 0.8 bis 0.9°C/100m in Bodennähe braucht es nur eine ganz schwache Konvergenz, um die Konvektion in Gang zu bringen.
Nach einiger Zeit ist aus Nordwesten ein Regenschauer durchgezogen, und der Wind hat deutlich aufgefrischt. Dabei wurde die Konvergenz und somit auch Konvektion gestört - die Wolke ist rasch verschwunden.
Bei Schönwetter ist die beobachtete abendliche Konvektion über Tal- und Beckenlagen übrigens als sogenannte "Umkehrthermik" bekannt: Hangabwinde aus den umliegenden Flanken sorgen dabei für die Konvergenz und schliesslich das Ablösen und Aufsteigen der wärmeren Luft vom Talboden. Dabei bilden sich aber nur in seltenen Fällen Quellwolken, weil die Luft viel trockener ist.
Donnerstag, 22. Juli 2010
Monstergewitter und Ende der Julihitze
Entstanden ist das Teil kurz vor 14 Uhr im Bereich Gantrisch-Stockhorn/BE, die weitere Zugbahn ging den Voralpen entlang via Emmental - Grossraum Luzern - Oberer Zürichsee und das Toggenburg zum Bodensee:
Für die Warnungen sind bei ziehenden Zellen nur Gelbe und Rote relevant.
Der Zahlenwert weist auf das vertikal integrierte Wasser in der Zelle hin.
Die 4 nicht ausgefüllten Ellipsen zeigen die vermutliche, zukünftige Verlagerung für
jeweils 15 Minuten.
Die Zelle zieht um 17h MESZ (=15 UTC) von der Linthebeneüber den Ricken ins Toggenburg. Vollständiger Radarfilm.
10 Minuten zuvor hat die Zelle während des Durchzugs in Schmerikon/SG am Obersee einen Druckanstieg von fast 5 hPa in 10 Minuten verursacht - ein extremer Wert. Dadurch wurde eine Windböe von 133 km/h ausgelöst. Genau eine Stunde zuvor wurden in Luzern 104 km/h gemessen. Die eine oder andere Station wurde auch vom Niederschlag (Hagel, extremer Starkregen) mehr oder weniger voll getroffen. In Ebnat-Kappel fielen beispielsweise innert 10 Minuten 26mm Niederschlag.
Heute konnte man einigen Medien bereits entnehmen, der Sommer sei vorbei. Diese Aussage lässt sich meteorologisch nicht wirklich begründen - der August ist nämlich alleweil für hohe Temperaturen gut (zumindest vom 1. bis zum 15. des Monats). Im Sommer 2003 war der 13. August der heisseste Tag auf der Alpennordseite. Im vergangenen Sommer wurden die höchsten Temperaturen gar erst um den 20. August herum gemessen - aussergewöhnlich spät wie im Bericht von MeteoSchweiz nachzulesen ist.Montag, 19. Juli 2010
Gewitter mit spezieller Zugbahn am 17. Juli
Kurz möchte ich noch ein paar Grafiken zu den Gewittern vom vergangenen Samstag (17.7.2010) zeigen - leider komme ich erst jetzt dazu, die Spätschichten an der Meteo waren am Freitag und am Wochenende zu intensiv…
Interessant waren vor allem die ungewöhnlichen Zugbahnen von den zwei langlebigen Gewitterzellen. Diese gingen quer (oder eigentlich längs) durch die Alpen, und nicht wie gewohnt den Voralpen entlang:
Zugbahnen der zwei langlebigsten Zellen. Die Zellen werdenin 3 Stufen kategorisiert (grün, gelb, rot), der Zahlenwert
gibt den vertikal integrierten Wassergehalt der Zelle an.
Quelle: MeteoSchweiz (Thunderstorm Tracking System)Vermutlicher Grund dafür: Tags zuvor hatte es weiter nördlich bereits teils kräftige Gewitter, und in den unteren Schichten ist aus Nordwesten bereits etwas weniger warme Luft eingeflossen (Stabilisierung). Inneralpin hingegen, lag noch die energiereichere Luft. Zudem war eine gewisse Windscherung vorhanden: Am Boden Talwinde (im Vorderrheintal aus ENE), darüber bereits schwacher Nordwestwind und weiter oben mässiger Südwestwind. Das Vorhandensein einer Windscherung ist bei genügender Labilitität und Feuchte in der Regel eine sehr gute Voraussetzung für die Bildung von langlebigen Gewitterzellen.
Hier noch der Radarloop vom Samstagnachmittag, am rechten und oberen Rand ist jeweils die Vertikalstruktur der Gewitterzellen erkennbar. Die Skala reicht vom Boden bis in 12 km Höhe und ist in ein 2 km Raster unterteilt (Bildquelle: MeteoSchweiz):
in etwas besserer Qualität: hier
Übrigens gab es nicht nur in der Schweiz heftige Gewitter, auch in Österreich ging’s ganz ordentlich zur Sache. So wurde beispielsweise die Altstadt von Innsbruck geflutet. Hier noch zwei Links zu den entsprechenden Wetterblogs:
Gewitterwahnsinn am 17.7.2010
Heftiges Gewitter in Innsbruck
Mittwoch, 14. Juli 2010
Hitze, Hitze, Gewitter, Hitze…
Eigentliches Thema von heute ist aber die Hitze: Da werden in den Medien schon ziemlich munter Vergleiche mit dem Hitzesommer 2003 gezogen. Von so einem absolut aussergewöhnlichen Ereignis sind wir aber im Moment noch ziemlich weit entfernt, wie folgender Vergleich der Mitteltemperaturen der Station Zürich-Fluntern zeigt:
Verlauf der Tagesmitteltemperatur der Jahre 2003, 2006 und 2010an der Station Zürich-Fluntern rot=positive Abweichung
zum langjährigen Mittel, blau=negative Abweichung.
Die Diagramme gibt's bei MeteoSchweiz für 29 verschiedene Stationen
Im Sommer 2003 hatten wir eine völlig andere Vorgeschichte, da war bereits der Juni extrem und 7.3°C wärmer als normal. Zudem waren die ersten 6 Monate des Jahres extrem trocken. Der Juli war dann „nur“ noch 2.2°C zu warm, im August hat dann die Hitze mit einer positiven Abweichung von 6.0°C noch einmal voll zugeschlagen.
Im 2006 waren der Juni (+2.5°) und vor allem der Juli (+4.9°C) massiv zu warm, während der August eindeutig zu kalt ausfiel (-2.0°C).
Im laufenden Jahr war der Juni in Zürich „nur“ 1.7°C zu warm, dafür ist der Juli im Moment auf Rekordkurs. Allerdings ist auch erst die Hälfte des Monats vorbei. In Zürich liegt die Abweichung zum langjährigen Mittel im Moment bei +5.3°C. Damit liegen wir im Bereich des Rekord-Julis des Jahres 1983, damals wurde über den ganzen Monat eine positive Abweichung von 5.4°C gemessen. An zweiter Stelle der Juli Rekorde liegt das oben erwähnte Jahr 2006.
Hier noch die Links zu ein paar Veröffentlichungen von MeteoSchweiz zum Thema Hitze in den Jahren 2003 und 2006:
Extrem trockenes erstes Halbjahr 2003
Extreme Temperaturen im Juni 2003
11. August 2003: Auf der Alpensüdseite 41.5°C gemessen
Die extreme Sommerhitze im aussergewöhnlichen Witterungsjahr 2003
Die Maximaltemperaturen im Hitzesommer 2003 und Vergleich zu früheren Extremtemperaturen
Julihitze 2006
Juli 2006: Klimatologisch ein extremer Monat